Projekt A 1.1.3:
Langzeitverhalten von Starkniederschlägen
in Bayern und
Baden-Württemberg
Kurzfassung der Projektergebnisse
(Stand: 2000)
Im Rahmen des Kooperationsvorhaben KLIWA ("Klimaveränderung und
Konsequenzen für die Wasserwirtschaft") wurde unter Federführung der
Abteilung Hydrometeorologie im DWD für die Fläche von Baden-Württemberg und
Bayern (ca. ein Drittel der Fläche Deutschlands) das Langzeitverhalten der
Starkniederschläge anhand der Messungen von 406 DWD-Niederschlagsstationen für
den Zeitraum 1931-1998/99 sowie von 75 Niederschlagsstationen der Zeitreihe
1901-1998/99 untersucht. Damit liegt nun erstmals eine flächenrepräsentative
Trendanalyse der Starkniederschläge für eine größere Region in Deutschland vor.
Zusätzlich wurden extreme Nass- und Trockenperioden in die Untersuchung
einbezogen, um zu prüfen, ob sich in der Andauer ebenfalls Veränderungen
ergeben.
Neben den hier im folgenden dargestellten stationsbezogenen Auswertungen
wurden die Starkniederschläge auch mit demselben extremwertstatistischen
Analyseverfahren, welches beim KOSTRA-Atlas (1997) verwendet wurde, in einem
71,5 km²-Raster regionalisiert.
Ziel war es, zu prüfen, ob der längere Zeitraum (1931-2000) im Vergleich zum
KOSTRA-Zeitraum 1951-1980 Hinweise zu einer Neubewertung des extremen
Niederschlagsgeschehens enthält. Bei der Interpretation dieses
Zeitreihenvergleichs ist zu beachten, dass die räumliche und zeitliche
Variabilität sowie der extremwertstatistische Berechnungsansatz aufgrund der
natürlichen Klimaschwankungen immer Abweichungen zur Folge haben, die sich
innerhalb eines Toleranzbereiches bewegen.
Der flächenverteilte Vergleich der regionalisierten Neuauswertungen der
Starkniederschläge in Bayern und Baden-Württemberg mit den Ergebnissen des
KOSTRA-Atlas zeigte jedoch bei Wiederkehrzeiten/Jährlichkeiten von T= 1 a und
T= 100 a, besonders in den Wintermonaten Oktober-April, regionalspezifisch
deutliche Abweichungen oberhalb dieses Toleranzbereiches gegenüber den
KOSTRA-Werten von 1951-1980. Bei den sommerlichen Vergleichszeiträumen kommt es
zwar zu Abweichungen, die aber weitaus weniger deutlich ausgeprägt sind.
Aufgrund dieser Erkenntnisse hat der DWD eine Fortschreibung des KOSTRA-Atlas
vorgenommen. Der neue KOSTRA-DWD-2000-Atlas ist im November 2005 erschienen und kann beim
Institut für
technisch-wissenschaftliche Hydrologie in Hannover bezogen werden.
In Süddeutschland zeigen die Starkniederschlagshöhen (halbjährlichen
Höchstwerte im Zeitraum 1931-1998/99) in den Wintermonaten (Oktober bis April)
eine deutliche Zunahme im relativen Trend, während in den Sommermonaten (Mai
bis September) nur geringe bis keine Änderungen zu verzeichnen sind (siehe
Abb.). Gleichzeitig ist die Anzahl der Stationen mit signifikantem Trend im
Winter deutlich höher als im Sommer. Diese Zunahme der relativen Häufigkeit von
Stationen mit signifikantem Trend im Winter verstärkt sich mit zunehmender
Dauer der Starkniederschläge (von 40% bei 24 Stunden auf rund 60% bei 240 h).
Der prozentuale Anteil signifikanter Stationen im Sommer mit einer Zunahme
variiert dagegen lediglich zwischen 15 bis 19%. Eine Zusammenfassung dieser
ausgeprägt unterschiedlichen halbjährlichen Gegebenheiten zu einer Aussage für
das Jahr ist daher wenig zielführend.
Regionale Schwerpunkte für dieses Langzeitverhalten sind in Bayern das Gebiet
von Franken sowie Teile des Bayerischen Walds, in Baden-Württemberg der
Schwarzwald sowie der Nordosten des Landes.
Abb.: Relative Häufigkeit
von Stationen mit signifikantem Trend sowie Angabe des mittleren relativen
Trends der signifikanten Stationen (Signifikanzschwelle S >= 90%, Gesamtzahl der
betrachteten Stationen: 406, in Bayern und Baden-Württemberg, Zeitreihe
1931-1998/99).
In den Wintermonaten findet auch bei den extremen Nassperioden
regionalspezifisch eine Zunahme statt, was sich mit dem Befund bei den
Starkniederschlägen deckt. Allerdings liegt die Anzahl der signifikanten
Stationen deutlich niedriger als bei der Betrachtung der Starkniederschläge.
Die Zunahme im Jahr wird auch hier von den Wintermonaten dominiert, da die
Längen der extremen Nassperioden in den Sommermonaten (Mai-September)
unverändert bis rückläufig sind. Bei den extremen Trockenperioden sind die
Änderungen im Vergleich zu den extremen Nassperioden erheblich geringer. Sowohl
bei extremen Nass- wie auch bei extremen Trockenperioden finden sich
ausgeprägte regionale Schwerpunkte.
In den sehr langen Zeitreihen 1901-1998/99 ist das Verhältnis bei der
Signifikanz der Trends für die Starkniederschläge zwischen Sommer- und
Wintermonaten ebenfalls wiederzufinden. Von den vorhandenen 75 Stationen weisen
rd. 70% in den Wintermonaten und zwischen 28% und 40% in den Sommermonaten
einen signifikanten Trend auf. Weiterhin zeigt sich, dass der mittlere relative
Trend auch in den Sommermonaten im Vergleich zur Situation bei den Zeitreihen
1931-1998/99 mit einer Größenordnung von rd. 20 % eine deutliche Zunahme
aufweist. Dieser Befund wird als Bestätigung herangezogen, dass die Aussagen zum
räumlichen Trendverhalten für die Flächen von Süddeutschland, die aus der
Untersuchung der Stationen des Zeitraums 1931-1998/99 erhalten wurden, durchaus
gerechtfertigt sind. Bestätigt werden diese Ergebnisse der halbjährlichen
Niederschlagsextreme zusätzlich durch das Anwachsen von Niederschlagstagen
oberhalb des Schwellenwertes von mindestens 10 mm/d.
Als Fazit bleibt festzustellen, dass eine regionalspezifische Zunahme der
Starkniederschlagshöhen in den Wintermonaten Oktober-April statistisch
signifikant zu verzeichnen ist. Bei Starkniederschlägen (abhängig von der Dauer
sowohl als konvektive als auch advektive Ereignisse) sowie extremen Nass- und
Trockenperioden sind zwar auf Grund des eingeschränkten Datenkollektivs und der
sog. "Ausreißer" eindeutige Trendaussagen grundsätzlich schwieriger
aus dem Rauschen ihrer dadurch höheren Variabilität herauszufiltern als z.B.
bei mittleren, jährlichen Niederschlagshöhen; wenn sich aber eine markante
Veränderung bei so vielen Starkniederschlagsreihen ergibt, so kann dies als
deutliches Zeichen für eine Klimaveränderung ausgelegt werden. Dieser Befund
passt zu Untersuchungen außerhalb von KLIWA, die ebenfalls für den Winter die
stärksten Veränderungen im Niederschlagsgeschehen zeigen. Die
KLIWA-Untersuchungen liefern also Ergebnisse, die auf deutliche regionale
Veränderungen im zeitlichen und intensitätsabhängigen Verlauf von
Niederschlagsereignissen hinweisen.
Ergänzender Hinweis
Die umfangreichen Untersuchungsergebnisse des Projekts A 1.1.3 sollen im
Lauf des Jahres 2003 als ein eigenständiger KLIWA-Bericht veröffentlicht
werden.
Eine Zusammenfassung des Berichts (© Institutionen des AK KLIWA) der
wesentlichen Ergebnisse (Stand Dezember 2002) liegt vor. Dieser Bericht (23
Seiten) hat folgende Gliederung:
- Einleitung
- Datengrundlage
- Trendverhalten der Starkniederschlagshöhen
- Zu- und Abnahme der Starkniederschlagstage in Bayern
- Extreme Trocken- und Nassperioden
- Zusammenfassung
- Literatur