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Thema: Gewässerökologie > Flüsse > Zukünftige Veränderungen

Flüsse
Zukünftige Veränderungen


Die Schwarzach bei Kinding

Abb.: Die Schwarzach bei Kinding als Beispiel für einen naturnahen Mittelgebirgsfluss
© Michaela Schmid.

Neben einer weiteren Aufwärmung wird für die Mittelläufe unserer Fließgewässer vor allem eine Zunahme von Algen und Wasserpflanzen (Eutrophierung) prognostiziert. Häufigere und intensivere Starkregenereignisse ( Klima > Starkregen > Zukünftige Veränderungen ) führen zu stärkeren Bodenabschwemmungen aus landwirtschaftlichen Nutzflächen, womit auch vermehrt Nährstoffeinträge in die Gewässer gelangen. Dieser Effekt kann sich durch eine Änderung der Landnutzung zum Beispiel durch den verstärkten Anbau von Energiepflanzen mit geringer Bodenabdeckung noch verstärken.

Ferner zeigen Abflussprojektionen regional die Tendenz zu einer Verringerung der sommerlichen Abflüsse und zu verschärften Niedrigwassersituationen ( Hydrologie > Niedrigwasser ). Dies kann zu einer Aufkonzentrierung von Nähr- und Schadstoffen führen, die über Kläranlagenabflüsse in die Gewässer gelangen.

Diagramm

Abb.: Diese komplexen Wirkungsketten (siehe Literaturstudie) können im Zuge des Klimawandels durch sich selbst verstärkende Rückkopplungen zu kritischen gewässerökologischen Situationen führen (s. u.).

Eine Verstärkung des Wachstums von Algen und Wasserpflanzen (Eutrophierung) hat Auswirkungen auf den Sauerstoffhaushalt und den pH-Wert und der damit zusammenhängenden Prozesse. Tagesperiodische pH-Schwankungen mit Werten über 9 erhöhen bei gleichzeitiger Anwesenheit von Ammonium (Abwasser, diffuse Einträge aus landwirtschaftlichen Flächen) die Gefahr einer Ammoniaktoxizität bei Fischen exponentiell.

Länger andauernde Hitzeperioden und Trockenheit im Sommer können akute Folgen für das Sauerstoffdargebot und damit für die Gewässerorganismen haben. Ihrem gesteigerten O2-Bedürfnis steht ein vermindertes O2-Angebot aufgrund geringerer O2-Löslichkeit und verstärkter Zehrungsprozesse entgegen. Hält diese Faktorenkombination länger an, geraten die Tiere in Dauerstress und ihre Anfälligkeit für Krankheiten nimmt stark zu (z. B. die Aalrotseuche, eine bakterielle Infektion).

Bei zunehmend milderen Wintern können entwicklungsphysiologisch wichtige „Kältereize“ ausfallen. Dies kann bei Forellen zum Beispiel zu einer Störung der Fortpflanzung führen. Auch die „Winterruhe“ einiger karpfenartiger Fischarten kann gestört werden mit nachteiligen Folgen für deren Fitness. Eine niedrige Wassertemperatur im Winter wird für die Nebenflüsse von Bundeswasserstraßen auch als Barriere gegen die Einwanderung dort verbreitet vorkommender, wärmeliebender Neobiota (gebietsfremde Arten) gesehen.