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Thema: Hydrologie > Hochwasser > Langzeitverhalten (Vergangenheit)

Hochwasser
Langzeitverhalten (Vergangenheit)


Es ist eine Luftaufnahme zu sehen. Ein Anwesen, auf dem mehrere Gebäude stehen, steht zu großen Teilen unter Wasser. Der Bach, welcher rechts neben dem Haus verläuft und für die Überflutung verantwortlich ist, hat sich bereits wieder in sein Bett zurückgezogen.

Abb.: © Bergwacht Penzberg

Die Hochwasserereignisse der jüngsten Vergangenheit, beispielsweise in den Jahren 2002, 2013 und 2021 sind noch gut in Erinnerung. Hier traten in Deutschland vielerorts neue Rekordwasserstände an den Flüssen auf. Hochwasser hat es immer gegeben und wird es auch weiterhin geben. Sie sind ein Teil des natürlichen Abflussverhaltens eines jeden Fließgewässers und können verschiedene Ursachen haben:

  • Hochwasser können durch "advektive", also langanhaltende, ergiebige Niederschläge entstehen und sind im Winter und Frühjahr oft mit der Schneeschmelze gekoppelt. Diese Hochwasser treten zumeist großräumig auf.
  • Auch kurze und lokale, aber heftige Schauer können Hochwasser hervorrufen. Diese auch "konvektive" Niederschläge genannten Wettersituationen treten vor allem im Sommer auf und sind oft verbunden mit lokalen Sturzfluten. Von diesen Ereignissen sind meist nur kleine Einzugsgebiete betroffen, wie die Starkregenereignisse in Süddeutschland im Mai/Juni 2016 zeigten.
Der Klimawandel ist seit Mitte der 1970er Jahre auch bei den Hochwasserabflüssen statistisch nachweisbar. Als repräsentative Datengrundlage dienen 116 Pegel in Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz, deren Messdaten teilweise bereits ab 1932 vorliegen.

Betrachtet wurden:

  • das hydrologische Jahr (November bis Oktober),
  • das Winterhalbjahr (November bis April) und
  • das Sommerhalbjahr (Mai bis Oktober).


Zwei Landkarten der Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz, die die Lage der 116 Pegel zur Untersuchung des Trendverhaltens der mittleren Hochwasserabflüsse im Zeitraum 1932 - 2020 enthalten. Die obere Karte zeigt das Trendverhalten der Pegel im Sommerhalbjahr, die untere Karte stellt dagegen das Winterhalbjahr dar. In den Karten sind die Pegel als kleine farbige Kreisflächen eingetragen. Darunter befindet sich die Kartenlegende. Diese erläutert die Bedeutung der einzelnen Pegelfarben. Dabei steht Hellrot für „Abnahme nicht signifikant“, Dunkelrot für „Abnahme signifikant (Signifikanzniveau mindestens 80 Prozent)“, Hellblau für „Zunahme nicht signifikant“, Dunkelblau für „Zunahme signifikant (Signifikanzniveau mindestens 80 Prozent)“, Grau für „kein Trend“ und Weiß für „keine Angaben“.  Außerdem enthält die Legende den Hinweis, dass sich der Trend der Pegel in Rheinland-Pfalz auf den Zeitraum von 1971 bis 2020 bezieht. Die 12 Pegel, die im Kapitel „Zukünftige Veränderungen“ ausgewertet wurden, sind jeweils mit einem Sternchen markiert. Aus diesem Grund ist auch das Bundesland Hessen bereits in dieser Karte dargestellt.

Abb.: Lage der betrachteten 116 Pegel für die Untersuchungen zum Trendverhalten der mittleren Hochwasserabflüsse in Bayern (61), Baden-Württemberg (30) und Rheinland-Pfalz (25) sowie die räumliche Verteilung der Trends.
In den KLIWA-Ländern ergeben sich für den Zeitraum 1932 bis 2020 folgende Änderungen

  • Bei 55 Prozent der Pegel stiegen die mittleren Hochwasserabflüsse im Gesamtjahr, jedoch zum größten Teil nicht "signifikant".
  • Im hydrologischen Winterhalbjahr zeigten 58 Prozent der Pegel eine Zunahme, wobei hier knapp die Hälfte der Zunahmen signifikant ist.
  • Im hydrologischen Sommerhalbjahr halten sich zunehmende Trends (45 Prozent der Pegel) und abnehmende Trends (41 Prozent der Pegel) in etwa die Waage. Von den ermittelten Zunahmen sind etwa 50 Prozent der Trends signifikant, bei den Abnahmen nur rund 20 Prozent.
  • In den letzten 20 Jahren hat sich die Anzahl der Pegel mit zunehmenden Trends im hydrologischen Winterhalbjahr kontinuierlich abgeschwächt. Es wurden insgesamt weniger signifikante Zunahmen nachgewiesen. Die Anzahl nicht signifikanter Abnahmen stieg dagegen an. Im hydrologischen Sommerhalbjahr hat sich die Anzahl nicht signifikanter Zunahmen leicht verringert und die Anzahl nicht signifikanter Abnahmen vergrößert. Die Anzahl der Pegel mit signifikanten Trends blieb in beide Richtungen weitgehend stabil.


Die Betrachtung des Jahresgangs der monatlichen Abflusshöchstwerte zeigt, dass die Erhöhung im hydrologischen Winterhalbjahr weiterhin ausgeprägter ist, als im Sommerhalbjahr. Dies ist für einen Großteil der Gebiete Süddeutschlands auch die Jahreszeit, in der Hochwasser natürlicherweise häufig auftritt. Dementsprechend ist nach wie vor die Gefahr von Hochwasser in den meisten Gebieten Süddeutschlands im Winter am größten.

Hochwasser

Tab.: Anzahl der Pegel mit vorliegendem bzw. signifikantem Trend der mittleren Hochwasserabflüsse für den Zeitraum 1932-2020 in Baden-Württemberg (30), Bayern (61) und Rheinland-Pfalz (25).
Bei der Betrachtung der einzelnen KLIWA-Länder überwiegen in Baden-Württemberg und Bayern sowohl im hydrologischen Sommerhalbjahr als auch im hydrologischen Winterhalbjahr die Zunahmen der mittleren Hochwasserabflüsse. Die mittlere Hochwassersituation hat sich verschärft. In Rheinland-Pfalz überwiegen dagegen im Sommerhalbjahr abnehmende Trends, während sich im Winterhalbjahr die Zu- und Abnahmen in etwa die Waage halten. Eine Ursache für das unterschiedliche Trendverhalten ist der spätere Zeitreihenbeginn in Rheinland-Pfalz.

Ausführlichere Informationen finden Sie im Monitoringbericht 2021.


Methodische Grundlagen zur Betrachtung des Langzeitverhaltens in KLIWA finden Sie hier:

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